Gunzi Heil entzückt mit Ein-Mann-Show mit weit über hundert (tierischen) Komparsen

Als „Gunzi Heil solo“ war er angekündigt. Tatsächlich hatte der Musiker, Kabarettist und Liedermacher zu seinem Auftritt im Kämpfelbacher Heimatmuseum eine gewaltige Entourage von weit über 100 Freunden und Komparsen mitgebracht. Die haben zwar keinen Mucks gemacht, denn es handelte sich um Stofftiere.

Aber die Bären, Igel, Mäuse oder Elefanten sorgten schon vor dem eigentlichen Beginn des Kabaretts für gute Laune und Gespräche unter den Gästen, denn ein jeder der eintreffenden Besucher fand eines der Tierchen bereits auf seinem Stuhle sitzend vor. Das wirkt ungemein beruhigend auf den Künstler, der sich auf diese Weise nie um Publikum sorgen muss. „So weiß ich im vornehinein, dass kein Platz leer bleibt und die Presse getrost schreiben kann: ‚Gunzi Heil spielte vor vollbesetzten Rängen‘“, so das freimütige Bekenntnis des 1967 in Karlsruhe geborenen Künstlers.

Die Veranstaltung im Heimatmuseum auf Einladung des Vereins Heimatpflege und Kultur Kämpfelbach war jedoch auch ohne tierische Helfer komplett ausverkauft und bot ein wirkliches Unterhaltungs-Highlight, das die Besucher entzückte. Dabei war die Begegnung an genau diesem Tag, mit dem Verein, dessen Vorsitzendem Kevin Jost und dem ganzen Publikum alles andere als ein Zufall, wie Gunzi Heil im Rahmen einer detaillierten Analyse des Tagesdatums nachwies. Eine Reihe numerischer Operationen, bei denen die diverse Bildung von aussagekräftigen Quersummen noch das geringste war, brachte den Beweis: Die bisherige Weltgeschichte war auf genau diesen Abend regelrecht zugelaufen.

Überhaupt die Zeit. Die ist vielleicht viel älter, als man denkt. Und vor allem, so Heils Fazit, scheint die Besiedelung Kämpfelbachs schon weit vor dem Zusammenschluss von Ersingen und Bilfingen am 1. Juli 1974 erfolgt zu sein. Dafür sprächen nicht zuletzt die vor Ort gefundenen versteinerten Ammoniten, die in einer Vitrine des Museums ausgestellt sind. Apropos „Stein“, „Stone“ oder „Rock“: Die Musikgeschichte ist eigentlich eine einzige Abfolge von Steinen oder Steinernem, wie Gunzi Heil an Klavier, Gitarre und Mundharmonika nachwies. Dafür stehen der Pianist Arthur Rubinstein ebenso wie die Klavierfirma „Steinway“, Komponist Leonard Bernstein oder Bill Haleys „Rock around the clock“ und ganz aktuell und jetzt auch nobelpreisprämiert Bob Dylan und sein „Like a rolling stone“. Zur Originalität seiner Gedankengänge und der Verknüpfung von scheinbar Unverbundenem gesellte sich Gunzi Heils Vielseitigkeit durch alle kabarettistischen Genres. Als Märchenerzähler griff der über 1,90 Meter große Hüne tief in die Schatzkiste des „Es war einmal“ und zog daraus zwar nicht „Rapunzel“, was angesichts des lang-wallenden, blonden Haares auch möglich gewesen wäre, sondern „Rotkäppchen“ und „Frau Holle“ im jeweils 100-Sekunden-Kompaktversionen. Gunzi Heils Motto: „So steht es bei den Brüdern Grimm, und wenn nicht, ist’s auch nicht schlimm.“ Balladen wie die über „Silver Shadow“, das beste Pferd im Stall, und verarbeitete Traumata wie den gescheiterten Versuch, mithilfe von gemischtem Hackfleisch „Spaghetti Bolognese“ zuzubereiten und schließlich die rein akustische Aufführung von „Spiel mir das Lied vom Tod“ begeisterten.

Und schließlich erlebten die Zuschauer Gunzi Heil auch als überzeugenden Puppenspieler. „S’Äffle und s’Pferdle“ entstiegen einem Koffer, erbaten sich Vorschussapplaus, sangen ihren „Hafer- und Bananenblues“, bekamen nochmals Beifall und freuten sich ganz tierisch über das spendable Publikum: „Die hamma schee reiglegt – Die hamm zwoimol geklatscht, obwohl ma bloß oi Lied gsunge hamm!“ stellten die Schelme fest.

Text und Foto: Martin Schott